3,5 Zentimeter machen’s dann halt doch aus!

Mit 186 cm Körperhöhe zähle ich nun wirklich nicht zu den normalgroßen Menschen. Das erlaubt mir aber auch ein Privileg: ICH kann auf meiner R1 schon beim Geradeausfahren mit den Knien schleifen 🙂

Nun gibt es Menschen, die mich dabei beobachtet haben und Mitleid mit mir hatten. Und ich muss sagen, ich bin froh darüber.

Der Mensch ist ja ansich sehr anpassungsfähig und gewöhnt sich schnell an „Umstände“ und „Zustände“ in seinem Umfeld. So wie auch ich an das Fahrgefühl auf meiner kleinen R1. Irgendwie ist mir nie in den Sinn gekommen, sie „einfach“ ’n bisschen höher zu legen. Bis zum Actiontraining vor zwei Wochen.

Fritz kam mit der Idee um die Ecke, als er mich auf dem Vogelsbergring rumgurken sah und meinte, dass mir das durchaus einiges an Fahrkomfort bringen könnte und auch das Handling verbessert. „Warum nicht“, dachte ich mir. Kann ja eigentlich nur besser werden.

Also hat Fritz mir das Teil bestellt.

Wenn man sich dazu mal im Internet umschaut, findet man einiges an „Höherlegungskits“, von 30 € bis 180 €. Empfehlenswert ist der Hersteller TRW. Den Höherlegungssatz gibt es in vier Stufen; 20mm, 25mm, 30mm und 35mm. Natürlich haben wir für mich die 35mm gewählt, die Knie sollen ja irgenwann mal aus dem Asphalt raus kommen. Kostenpunkt: ca. 100 €.

So sieht das gute Stück dann aus:

Der Umbau ist unglaublich kompliziert und man sollte dafür auf jeden Fall ein ganzes Wochenende einplanen. Ok, es sind fünf Minuten Arbeit und zwei Schrauben. Ziemlich unromantisch, oder? 🙂 Der Umbau bei meiner R1 lief dann so ab:

  • Das Bike über den Seitenständer kippen und „sich aufs Knie legen“
  • am Übertragungshebel die beiden selbstsichernden Schrauben mit einem 14er-Schlüssel lösen
  • den Übertragungshebel herausnehmen und die Distanzstücke entnehmen
  • die Distanzstücke in den neuen Übertragungshebel einsetzen
  • den neuen Übertragungshebel einsetzen
  • die beiden selbstsichernden Schrauben mit dem 14er-Schlüssel festziehen
  • die Federvorspannung in der Härte an die geänderte Übertragung anpassen.

Meine Feder hat 9 Einstellungsstufen zum Ändern der Federvorspannung. Bisher stand sie auf Normal (4). Durch den längeren Übertragungshebel hat die Feder eine höhere Spannung. Um der vorher eingestellten Spannung zu entsprechen, haben wir sie zwei Klicks weicher eingestellt.

Die Feder sollte jedoch immer dem jeweiligen Körpergewicht des Fahrers angepasst werden. In dem folgenden Schaubild sieht man sehr schön die Position des Übertragungshebels, der mit dem Umlenkhebel (das „Dreieck“) verbunden ist. Der Umlenkhebel wiederum ist mit dem Federbein verbunden

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Und so sieht das Ganze live aus (fotografiert von der rechten Seite)

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Der alte Umlenkhebel …

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Nach den Anpassungen das erste Probesitzen. Ok, man sitzt echt schon anders. Dann nix wie los zur Probefahrt. Ich muss sagen, ich bin erstaunt, wie sehr sich die 3,5 Zentimeter bemerkbar machen. Das Fahrgefühl verändert sich komplett. Das Heck ist jetzt etwas höher, damit ändert sich natürlich auch meine Sitzposition. Im Handling ist die Maschine „irgendwie“ deutlich wendiger. Das „irgendwie“ muss ich noch weiter austesten, um es genauer beschreiben zu können. Ich habe das Gefühl, dass mir alles auf einmal etwas leichter fällt.

Ich weiß um die Bedenken, die durch Foren und Internetplattformen geistern. „Das ist sau gefährlich“, „ab 200 Sachen wirst Du Lenkerschlagen bekommen und machst ’n Abflug“, „du greifst hier unverantwortlich in die ausgetüftelte Fahrphysik ein, Yamaha wird sich da schon was bei gedacht haben“… und so weiter.

Davon kann ich bisher nichts bestätigen. Ich bin natürlich immer noch am „testen“. Am Sonntag hatte ich eine schöne Tour mit meiner Schwägerin (sie fährt seit dieser Woche auch eine R1). Bis 200 KM/h läuft meine Lady genauso wie immer. Super stabil, wie auf Schienen, wie ich es von ihr gewohnt bin. Nichts rüttelt, nichts schlägt. Auch in den Kurven und beim Bremsen kann ich keine Negativeigenschaften feststellen.

Und für meine 186 cm sind diese 3,5 Zentimeter echt der Hit in Tüten.

Bei den ganzen Negativbeispielen, gibt es hier auch Positivbeispiele zum Thema Höherlegung?

8 Kommentare

  • Wäre schön, wenn Du ein paar Maße hättest, wie sich die Geometrie mit dem längeren Umlenkhebel geändert hat. Im Grunde sorgt der ja nur dafür. dass die Schwinge hinten steiler steht, dadurch wird der Radstand verkürzt (wahrscheinlich kann man das mit einer frisch gespannten Kette wieder ausgleichen ^^) Und der Gabelwinkel ist ein bisschen steiler. Vielleicht kannst Du die R1 Deiner Schwägerin mal neben Deine stellen.
    Ich verstehe auch nicht, was das mit der Körpergröße zu tun hat, denn der Abstand Sitzbank zu Fußrasten bleibt ja gleich, oder habe ich da was übersehen?

    • Hi Griesi und Minya,
      hmmm, gar nicht so einfach. Ich habe mal den Radstand nachgemessen, dieser hat sich – wenn ich richtig gemessen habe – eigentlich gar nicht verändert. Die Sitzhöhe ist selbstverständlich um die 3,5 cm nach oben gegangen. Wir haben schon Vergleichsbilder geschossen, ich finde jedoch, dass man das auf den Fotos nicht wirklich gut sieht. Wenn man aber dahinter steht, ist die Höherlegung live gut zu erkennen. Ich habe auch schon überlegt, mir die Fußrasten noch anzupassen. Eine kleine Veränderung hat sich sicher ergeben, aber da die Fußrasten ja sehr nah am „Drehpunkt“ sind, handelt es sich hier wahrschenlich nur um Millimeter. Nichtsdestotrotz fühlt es sich für mich komplett anders an. Ich kann nur wiedergeben, was mein Arsch fühlt :-). Wahrscheinlich kommt die Hauptveränderung aber durch die steilere Gabel und die damit einhergehende „Instabilität“ vorne, die mir aber ehrlich gesagt sehr entgegen kommt. Das was die Maschine kann, werde ich sicher in diesem Leben nicht mehr erreichen und das ist auch gar nicht meine Tension. Mit sich verbessernder Fahrtechnik, bzw. um diese dem Können des Bikes anzupassen, werde ich aber sicher nochmal die eine oder andere Optimierung daran vornehmen, entweder, wie von einem Leser auf Google+ schon mal vorgeschlagen mit Vorspannhülsen und/oder auch wie von Andreas vorgeschlagen mit Lenkungsdämpfer. Das nächste wird aber wohl auf jeden Fall die Fußrastenanlage sein, das ist mir in den letzten Tagen beim Fahren schon in den Sinn gekommen.

      • Andreas Prem

        Ein Lenkungsdämpfer soll oder kann nur das Lenkerschlagen verhindern. Vorspannhülsen in eine hochwertige Gabel, wie sie in der R1 verbaut ist, ist Quatsch einzubauen. Wenn ich mich recht erinnerte lässt sich die Federvorspannung an der R1 Gabel sowiso von außen einstellen.

      • Andreas hat schon geantwortet. Hör nicht auf irgendwelche Quatschköpfe im Netz, hör aus mich (hihi).
        Vorspannhülsen für die Gabelfedern sind eine Behelfsmöglichkeit, die Federvorspannung zu erhöhen, wenn man die nicht serienmäßig einstellen kann. Wenn Deine Federn schon voll vorgespannt sind, dann, mit Verlaub, ist Dein Fahrwerk total scheiße eingestellt und Du solltest da was ändern. Fahrwerk, vor allem für die Straße, immer so weich wie möglich, so hart wie nötig.
        Für die R1 gibt es sicherlich Gabelfedern mit anderer Kennlinie, wechsel lieber die Federn als da abgeschnitte Rohrstücke (aka. Vorspannhülse) einzusetzen.
        Wenn Dein Lenker nicht schlägt wenn Du z.B. wie ein Wilde ans Gas gehst, dann lass den Lenkungsdämpfer weg.
        Und ganz zum Schluss gilt sowieso nicht, was sich um wieviel Millimeter ändert, sondern wie es sich für Dich als Fahrerin anfühlt.

        • Da ich feststellen musste, dass ich mich mit dem Thema viel zu oberflächlich beschäftigt habe, lese ich mich da gerade etwas ein. Andreas hat mir hierzu interessante Lektüre zukommen lassen 🙂 Sehr sehr interessant und spannend.
          Davon abgesehen, dass meine Gabelfedern vor meinem ersten Kurventraining total schepp eingestellt waren und Fritz mir das erst mal anständig justiert hat, werde ich mir demnächst mal das komplette Setup (hab ich grad gelernt :-D) genauer ansehen. Es kann ja nicht sein, dass ich nicht weiß, was ich da eigentlich fahre.

  • Über das selbe wie Griesi denke ich auch gerade nach. Durch die etwas steilere Gabel wird sie sicherlich handlicher rüberkommen. Vielleicht wird sie beim Bremsen etwas anders reagieren, wenn es richtig zur Sache geht. Aber für die Sache mit der Körpergröße muss ich grad noch etwas Denksport betreiben. Aber, es ist ja auch schon spät…

  • Da muss ich meinen Vorrednern fast recht geben der Abstand Fußrasten-Sitzbank ändert sich nur minimal je weiter hinten man sitzt desteo mehr wird es. Hier wäre ein Tieferlegung der Fußrastenanlage besser, durch die Höherlegung ist hast du jetzt mehr Schräglagenfreiheit da gingen die tiefen Fußrasten auch noch gut rein.
    Das Händling wird klar besser sein durch die Höherlegung gut auf kurvigen Straßen usw. Beim richtig harten Angasen wird sie allerdings nicht mehr so stabil laufen als vorher. Wenn beim Gasaufziehen im 2ten 3ren Gang das Vorderad abhebt und anschließend wieder den Boden berührt wirst du wissen was ich meine. (Hier wäre ein Lenkungsdämpfer von Vorteil). Auch beim kräftigen Bremsen kommt das Hinterrad eher hoch als sonst.
    Aber wie gesagt beim normalen Rumfahren wird das verbesserte Händling überwiegen.
    Grüße Andreas

    • Hi Andreas,
      ich denke, die Fußrasten werden das nächste ToDo auf meiner Liste. Auch der Lenkungsdämpfer ist sicher eine gute Überlegung, die R1en von meinem Mann und meiner Schwägerin haben bereits einen. Im 3en Gang wäre sie auch vorher schon hoch gegangen, wenn ich das gewollt hätte, sie heißt ja nicht umsonst „die Wittwenmacherin“ 😀 Ob ich das jemals hinbekomme, darauf bin ich selbst gespannt. Ich habe mich auch extra wieder zu einem weiteren Sicherheitstraining angemeldet, um das veränderte Handling mit ihr zu üben. We will see …