Uuuund Action! Motorrad-Training der besonderen Art auf der Kart-Bahn

Wie bereits vor einigen Wochen von mir angekündigt, habe ich am vergangenen Freitag an einem Action-Training teilgenommen. Veranstalter war wieder die Firma Ride-IT aus Frankfurt.

Sicher fragt ihr Euch, was man unter einem „Action-Training“ verstehen kann. Hier ging es nicht etwa darum, mit dem Mopped durch brennende Reifen zu springen (das wäre mir derzeit auch „noch“ ’ne Nummer zu groß, denke ich 🙂 ), nein. Dieses Training dient als Vorbereitung auf die großen Rennstrecken.

Wenn man noch keinerlei Erfahrungen mit einer richtigen Rennstrecke wie zum Beispiel dem Nürburgring, Hockenheim oder Most gemacht hat, ist es sicherlich ratsam, sich auf so eine Strecke etwas vorzubereiten. Denn hier läuft es ein wenig anders, als im Straßenverkehr.

Alles in Allem sicher eine gute Vorbereitung, dachte ich mir.

Einen kleinen Haken hat die Sache allerdings … Der Vogelsbergring ist keine normale Rennstrecke für Autos und Motorräder, sondern eine Kart-Bahn. Die Strecke ist schmaler, die Kurven enger. Eine Runde hat eine Länge von knapp einem Kilometer mit 11 Links- und Rechtskurven.

Nicht gerade die optimale Umgebung für eine R1. Aber wie gemacht für eine Dominator mit Straßenreifen. Da ich ja am liebsten mit beiden Maschinen gestartet wäre, das aber natürlich nicht geht, hab ich den Gatten gezwungen, auch teilzunehmen. Und da er wesentlich besser fährt (wie viel besser, wurde mir beim Training erst mal richtig bewusst 😀 ), sollte er die Domi nehmen.

Ich hatte keine Ahnung, was an dem Tag auf uns zukommen würde und war total gespannt auf die Leute, die Strecke und wie es wohl mit einer großen Rennmaschine auf so einem schmalen Track laufen würde. Klar war mir von Anfang an, dass ich nicht wirklich über den zweiten Gang drüber kommen würde.

Um fünf Uhr mussten wir aufstehen. Ungefähr zeitgleich war der Gewinner des verlosten Tickets, Julius, schon auf dem Weg aus Göttingen. Die anderen Teilnehmer waren schon am Vorabend angereist und hatten vor Ort zusammen mit Fritz und den Trainern im Vereinshaus übernachtet, inklusive Kartfahren und Grillen. Da Frank aber Donnerstags Geburtstag hatte, reisten wir erst am Freitag an.

Als wir gegen kurz nach sieben zeitgleich mit Julius an der Strecke ankamen, waren alle Anderen schon damit beschäftigt, Lichter und Blinker abzukleben und die Nummernschilder zu demontieren. Wir hatten das bei unseren Bikes schon am Vorabend erledigt und kümmerten uns somit ums Abladen. Trotz der frühen Zeit war es schon unglaublich warm.

Nach dem Abladen kam die Abnahme inklusive DB-Kontrolle durch Fritz. Ich hab mich am Vorabend noch gefreut wie ein Schnitzel, weil ich extra einen lauteren Auspuff auf meine Chantal gestöpselt habe. Den DB-Test hat sie trotzdem einfandfrei bestanden.

Dann hieß es ab in die Klamotten und Bikes in die Startbox.

Mit Trainern und Teilnehmern waren wir bestimmt gut 25 Leute. Ein paar der Teilnehmer kannte ich noch aus dem letzten Kurventraining, unter anderem Jenny, mit ihrer wunderschönen Ducati und Christopher mit seiner KTM.

Der Ablauf sah vor, dass wir den Vormittag in Gruppen fuhren, ohne Überholen, um die Strecke und die Gegebenheiten kennen- und einschätzen zu lernen. Nach der Mittagspause war dann freies Fahren in den jeweiligen Gruppen angesagt.

Die erste Runde fuhren also erst mal Alle schön brav in Reih und Glied raus.

Ja. Toll. Ich gurkte mir mördermäßig einen ab auf dem engen Track. Dass es hart würde, hatte ich erwartet. Aber so? Ich hätte mir am liebsten selbst den Arsch um die Kurve getragen, so eng war das. Und während ich mir da einen abeierte, hing der arme Frank auf der Dominator hinter mir fest. Für ihn war das natürlich wie Fahrrad fahren. Und zum Glück war ich die Vorletzte, so dass ich also nur ihn behinderte 😀

Zurück in der Boxengasse teilten die Trainer uns in Gruppen ein. Jede Gruppe hatte einen Turn von 10 Minuten. Dann wurde gewechselt. Es gab vier Gruppen. Eine schnelle, zwei mittlere (in diese kamen Julius und Frank), eine langsame … und ich. Doch ehrlich. Ich bekam erstmal den Monchichi-Bonus. Aber da steh ich zu 😀 . Der war auch echt notwendig.

Obwohl ich in den letzten beiden Kurventrainings einiges gelernt habe und mich auf der Straße auch echt wieder wohl fühle mittlerweile, hier auf der Strecke war erstmal alles weg. Also nahm sich Fritz meiner an und fuhr mit mir nach der langsamen Gruppe extra raus, damit ich ihm hinterherfahren und mir die Linie angucken konnte. Und das wirkte wahre Wunder. Von Runde zu Runde wurde es besser.

Nach dem ersten Turn war uns und den Bikes ordentlich warm. Spitzentemperaturen auf der Strecke müssten an diesem Tag irgendwo bei 35 bis 40 Grad gelegen haben, vielleicht sogar mehr.

Nach dem ersten Turn wurden die Gruppen neu gemischt. Einige aus der schnellen Gruppe kamen in die mittlere oder sogar in die langsame.

Das Zurückstufen hatte einen bestimmten Grund. Die Jungs und Mädels in der schnellen Gruppe fuhren zwar schnell, Fritz und den Trainern war jedoch daran gelegen, den Leuten auch einen „schönen“ Fahrstil beizubringen. Denn schnell ist nicht gleich schön, aber schnell kommt automatisch, wenn es mal schön ist.

Das half mir auch schon mal zu verstehen, warum ich nicht ums verrecken schneller werden musste, was bis dato mein Bestreben war, sondern dass ich mich mal lieber darauf konzentrieren sollte, eine anständige Linie zu fahren. Also entspannte ich mich in meiner Monchichi-Gruppe, zu der sich mittlerweile sogar noch ein zwei weitere Teilnehmer dazugesellt hatten.

Frank rutschte übrigens in die schnelle Gruppe. Jetzt mag man denken „Öh, mit ner ollen Dominator?“ JA! Auf dieser Strecke reichen 40 PS aus, um 100 PS und mehr nass zu machen…

Lucas, der Instructor der schnellen Gruppe, lieferte sich in einem Turn einen ständigen Wechsel mit Frank. Natürlich hatte er auf der Geraden mit der Fireblade einen Vorteil. In den Kurven wiederum konnte Frank immer wieder aufschließen. Es machte echt Spaß, den beiden Jungs zuzugucken.

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Frank sorgte damit für eine echte Überraschung. Während er am Morgen noch die Sorge hatte, dass er sich mit der Domi vielleicht blamieren könnte, stellte sich hier heraus, dass sie die perfekte Wahl für die Strecke war. Mein 20 Jahre altes Mopped mit 40 PS. Ok, ich glaube es sind exakt 45 PS 🙂

Auch die anderen Teilnehmer kamen auf ihre Kosten. Wir alle verbesserten uns Runde um Runde. Nach jedem Turn gab es wertvolle Tips der Instructoren. Die Gruppen wurden immer wieder neu gemischt.

Der Mann, der hier übrigens so hochkonzentriert drein blickt und dessen Bike auf den wunderschönen Namen Maya „hört“, das ist der Julius. Julius wird seine Erlebnisse auch noch in einem eigenen Gastbeitrag veröffentlichen, auf den ich schon sehr gespannt bin. 🙂

Dann gabs eine Mittagspause. Die Zeit war so unendlich schnell vergangen, wir hatten überhaupt nicht gemerkt, dass es schon nach 12 war. Aber die Hitze, die bemerkten wir sehr wohl und so waren Alle froh über eine Pause und Schatten.

Die Ride-IT spendierte uns Pizza im angenehm schattigen Strecken-Restaurant. Danke nochmal an dieser Stelle, war super lecker 🙂 Dann ging es weiter.

Nach der Mittagspause war das freie Fahren in den Gruppen angesagt. Mit Überholen und allem drum und dran. Mittlerweile traute ich mich sogar in die langsame Gruppe.

Hatte ich am Anfang des Tages noch den Drang, ums verrecken schneller zu werden, damit ich möglicht schnell um die Ecken dübeln kann, hatte sich mein Focus im Laufe des Tages total verändert und meine angespannte Haltung diesbezüglich total entspannt.

Mir war es mittlerweile egal, wie schnell oder langsam ich fuhr, ich habe um ehrlich zu sein nicht ein einziges Mal auf meinen Tacho geguckt, was ich zu hause ständig mache, um zu kontrollieren, dass ich auch ja nicht zu langsam fahre. Was für ein Schwachsinn. Ich habe mir seit diesem Tag angewöhnt so zu fahren, dass ich eine saubere Linie fahre. Mit der sauberen Linie, die auf der Straße natürlich eine andere ist, als auf einer abgesperrten Strecke, kommt auch die Schräglage und die Geschwindigkeit.

Ich hab endlich meinen Weg gefunden 🙂

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Dieser Tag hat mir unglaublich viel gebracht und ich würde dieses Training total gerne nochmal machen. So ging es auch vielen anderen Teilnehmern. Eigentlich gab es auch einen weiteren Termin, allerdings findet nun an diesem ein Tag der offenen Tür auf dem Vogelsberg-Ring statt.

Am 25.07.2015 gibt es hier einen Familientag, den Ride-IT für den Ring organisiert, mit Kartfahren, Drift-Taxi und einem Motorrad-Action-Race. Falls Ihr Zeit habt, schaut doch mal vorbei.

Und für diejenigen, die noch auf den Supermoto-Bericht aus Sankt Wendel warten, der kommt auch die Tage, versprochen. Ich hänge derzeit noch an einem Video für den Bericht fest 🙂

Fotos: Ride-IT

2 Kommentare

  • Guten Morgen. So ein enger Kurs ist mit einem Sportler schon eine ziemliche Wuchterei, da wäre mir die Dominator auch lieber gewesen zu fahren. Ich bin mit Enduros groß geworden und bis heute komm ich mit dieser Gattung Motorräder am besten zurecht. Auf einer Rennstrecke sieht es allerdings ganz anders aus da können die Vorteile eines Supersportler viel besser ausgenutzt werden, nicht nur die Motorleistung auch die Fahrwerke der Sportler sind einfach für was anderes ausgelegt. Auf den engen Strecken braucht es halt einen schönen runden Fahrstiel, das war ja Sinn der Übung.
    Grüße und ein schönes WO

    • Hi Andreas,
      damit hast Du absolut recht. Ich bin auch mit Enduros und Crossern groß geworden. Nicht umsonst steht eine Dominator in meiner Garage. Vielleicht ist SuperMoto ja die goldene Mitte, die alles verbindet?! Das möchte ich gerne herausfinden.