2025: Das Jahr, in dem ich aufgehört habe zu warten

Marokko 2027

2025 war mit Sicherheit vieles, aber auf keinen Fall Langweilig. Umsomehr bedeutet es mir, am Jahresende zu reflektieren und ein bisschen Ordnung zu schaffen. Im Haus, im Kopf, in der Garage, im Zwischenmenschlichen.

2025 war das Jahr, in dem mir der Boden unter den Füßen weggerutscht ist.

Im Winter 2024 hatte ich einen größeren Zahlungsausfall bei einem größeren Kunden, der sich bis in 2025 zog. Klingt banal, ist es aber nicht, wenn du selbstständig bist und plötzlich vor der Frage stehst: Wie geht’s jetzt weiter? Beruflich am Arsch. Finanziell am Arsch. Existenziell am Arsch.

Ich hab es hinbekommen. Irgendwie. Aber es hat was mit mir gemacht.

Parallel dazu: grandiose Motorrad-Momente. Gentlemensride mit Royal Enfield, zu Gast auf dem Club of Newchurch, mit Kettenritzelalex, seinen Buben und BMW in Slowenien. Touren und Erlebnisse mit Menschen, die im Kopf bleiben. Das Leben auf zwei Rädern war so intensiv und verdammt gut. Mein Akku füllte sich.

Und dann die andere Seite: Verpasste Events. Pläne, die verschoben wurden. Dinge, die schon lange auf meiner Agenda standen, aber immer wieder nach hinten rutschten. Aus persönlichen Gründen.

August & September: Der Wendepunkt

Meine Oma möchte gehen und ich löse ein altes Versprechen ein und begleite sie auf ihrem letzten Weg. Sterbebegleitung. Vier Generationen in einem Raum. Meine Oma, meine Mutter, meine Kinder und ich.

So komisch das klingen mag, aber diese Sterbebegleitung war 2025 mein größtes Geschenk. Sie hat mich viele Dinge überdenken lassen und meine Sicht auf den Tod um 180 Grad geändert. Meine Kids waren mit acht Jahren so reflektiert, so klar mit dem Thema Tod, dass ich manchmal dachte: Was machen die meisten Erwachsenen eigentlich falsch?

Die Familie hielt zusammen. Vom Bodensee bis nach Norwegen. Und in diesen Tagen, in denen ich beim Sterben begleitet und zugesehen habe, was mit einem Menschen passiert, wenn er ganz klar und natürlich gehen darf, wurde mir etwas brutal klar:

Zeit ist nicht endlich. Sie ist verdammt knapp. Und ich bin fertig mit Warten.

Oktober: Anstellung als Fundament

Im Oktober traf ich eine bewusste Entscheidung: Anstellung.

Nicht als Rückzug. Sondern als Fundament. Als Sicherheit, die mir die Freiheit gibt, die Dinge zu tun, für die ich brenne.

Die Stille zwischen den Jahren hat mir dieses Jahr gezeigt: Warten ist keine Option mehr.

2026/2027: Marokko in the Making. Nicht nur für mich.

Ein weiterer Todesfall, der sich 2022 ereignete, hat für das Kommende auch einen entscheidenden Einfluss. Mein Ziehpapa ging. Ohne Tschüss, völlig unerwartet mit knapp 55. Einfach weg.

Es gibt Menschen, die dich prägen. Martin war so ein Mensch. Er hat mich seit meinem 6. Lebensjahr begleitet. Als Ziehpapa, als Mentor, als Vorbild und Leitfigur. Uns verbindet unter anderem die Liebe zu alten Filmen, Kunst, Tarantino im besonderen, Rally Dakar gucken, ein gewisser Kinski-Mood in gewissen Situationen, schwarzer Humor, Lebensfreude und natürlich das Motorradfahren.

Er lernte meine Mom kennen, als ich sechs Jahre alt war. Er kam mit einem VW Käfer und einer Yamaha Teneré. Diese Teneré und die Rally Dakar haben mich schon damals begeistert. Die Teneré ist für mich bis heute das Dakar-Bike.

Mallorca, die Dominator und die ersten Fahrversuche

Martin war Künstler. Ein verdammt guter. Als er 1997 die Möglichkeit hatte, in Spanien zu arbeiten, taten sich ungeahnte Möglichkeiten auf. Für ihn als Künstler und für uns als Familie. Als ich 16 wurde, sind wir nach Mallorca ausgewandert, weil er so erfolgreich war, dass es Sinn machte, auf der Insel zu leben und zu arbeiten. Das war THE TIME OF MY LIFE. Diese Zeit dort schenkte mir zwei wertvolle Jahre der – nennen wir es mal – Orientierung, bevor ich mich 2000 mit 18 entschied „seriös“ zu werden und wieder nach Deutschland zu ziehen. Jedenfalls kaufte Martin sich 1998 eine nagelneue Honda Dominator. Im Campo von Buger machte ich auf dieser Domi meine ersten Fahrversuche auf einem großen Bike. Er saß hinten drauf. Hat sich fast eingeschissen, aber es sich nicht anmerken lassen. Um mich nicht zu verunsichern.

Der Traum: Gemeinsam nach Marokko

Jahre später, zurück in Deutschland, sprach ich mit ihm bei einer Motorradtour darüber, wie gerne ich in den Offroad-Bereich gehen möchte. Wie gerne ich nach Marokko fahren würde.

Da kam die Idee: Wir machen das zusammen.

2012 schenkte mir meine Mom zum 30. Geburtstag eine 95er Dominator. Im Juli 2022 verkaufte ich sie an einen guten Freund. Der eine oder andere sieht sie bestimmt aktuell beim Kettenritzel Alex rum kurven.

Im September 2022 starb Martin mit Anfang 50 an einem Herzinfarkt. Völlig unerwartet. Wir hatten uns am Tag davor getroffen und zusammen an einem Kunstprojekt gearbeitet. Eine Homepage für ein Galerieprojekt mit seinen Bildern. Er war gerade dabei, eine bestehende Galerie zu übernehmen. Der große Traum einer eigenen Kunstgalerie.

Er hat sie bekommen und ist kurz darauf gestorben.

Die Dominator zurückholen

Erst durch seinen Tod habe ich gemerkt, wie sehr mir dieses Bike fehlt. Als Alex anfing, sie auf- und umzubauen, war jedes Bild ein Stich. Weil die Domi nicht nur ein Motorrad ist. Sie verbindet für mich ein Stück meines Fundaments. Sie ist der Traum, den wir nie zusammen durchgezogen haben. Weil immer was war.

Triumph verkaufen, Dominator zurückholen

Also verkaufe ich gerade meine Triumph Street Triple RS. Nicht, weil sie schlecht wäre. Sondern weil ich das Geld brauche, um die Dominator zurückzuholen.

2026 bereite ich mich vor. 2027 fahre ich nach Marokko. Alleine? Natürlich nicht ganz alleine. Ich möchte mit den Dudes of Dust fahren. Ich lernte Tom, den Gründer, dieses Jahr beim Club of Newchurch kennen, sowie einige weitere tolle Menschen, die entweder schon mit ihm dort waren, oder noch hin wollen. Im April 2027 geht’s los.

Für Martin. Für mich. Für den Traum, den wir nie zusammen fahren konnten.

Die Transformation: Wird aus der Lauchin eine echte Offroaderin?

Ich bin aktuell so ziemlich das unsportlichste Individuum auf diesem Planeten. Ich hab einfach keinen Bock auf Sport. Ernährung kriege ich hin. Aber Muskelaufbau oder Ausdauer? Mein Endgegner. Und da die Lederkombi bisweilen alles einigermaßen zusammenklamüsert, hab ich den perfekten Anreiz für mich auch noch nicht gefunden.

Marokko soll das ändern. 2026 fange ich an. Mit Laufen. Mit Spaziergängen, weil ich kalte Luft hasse. Mit längeren Trabeinheiten im Gelände mit dem Pferd. Wahrscheinlich muss ich mich auch im Fitnessstudio anmelden. Ich habe keinen Plan. Und ich hasse alles, was mit Sport zu tun hat. Aber ich mache es trotzdem.

Meine Kinder als Antrieb

Meine Kinder treiben mich an. Bei der Sterbebegleitung meiner Oma waren sie sehr eng dabei. Ich habe gesehen, wie wichtig es ist, die Dinge zu tun, für die man brennt. Oder es zumindest zu versuchen. Einmal für mich. Damit ich nicht irgendwann sage: „Hätte ich doch.“ Aber auch für meine Kinder. Damit sie sehen: Man steht für seine Träume ein. Nicht irgendwann. Jetzt.

Die Dokumentation beginnt jetzt

Ich dokumentiere das. Die Vorbereitung. Die Rückschläge. Die Zweifel. Die Siege. Ich werde hier zeigen: Jeden Lauf, den ich hasse. Jeden Kilometer mit dem Pferd. Den Moment, in dem ich die Domi zurückhole. Jeden Zweifel, ob ich das schaffe. Ich fahre in erster Linie alleine. Aber ich hoffe auf ein paar verrückte Seelen.

Leona, Irene, Julie und Bella, ich hoffe auf einen abendlichen Ausritt in der Wüste, wenn wir völlig fertig vom Moped fallen. Stephan, du weißt, dass du auf meiner Liste stehst, nicht nur als Fotograf, sondern als Mensch und Teammate.

Für Martin. Für mich. Für den Traum.

Ich mache das für mich. Für niemanden sonst. Wer das miterleben will, gerne. Der Rest kann mich haben. 🖕

Und wenn ich 2027 in Marokko bin, fahre ich nicht alleine.

Ich fahre mit Martin im Gepäck.
2025 war das Jahr, in dem ich aufgehört habe zu warten.
2026 ist Vorbereitung.
2027 fahre ich.

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