Ein Triumph(aler) Tag (Teil 2)

Der frühe Vogel ... ist ein Arschloch

Der Tag X, oder der Tag an dem mein Wecker, in Form meines ortsungebundenen Telekommunikationsmittels (kurz – Handy) bereits um 5:30 Uhr klingelte. Die Drecksau!!!

Kurze Zeit später, nachdem ich mich mit Zähneputzen und ‘nem Spritzer Wasser ansatzweise gesellschaftsfähig gemacht hatte, klingelte auch schon Sandra übers Handy durch: “Bin da!!! Smiley, Smiley, Zwinker Zwinker, Grins Grins.” HALT DIE FRESSE!!! Und steck dir deine gute Laune sonst wo hin. Hast du mal auf Uhr geschaut!?!

Na ja ganz so schlimm war es ja doch nicht, hab mich ja drauf gefreut, aber so sind nun mal meine Gedanken einige Wochen später, wenn ich nur daran denke, dass der Wecker morgens um 5:30 klingelte und mich aus meinen süßen Träumen riss. Getreu nach dem Motto “Der frühe Vogel fängt sich eine, wenn er nicht die Fresse hält” (“…und der dicke Vogel bricht den Ast …” nur so nebenbei).

Also gut gelaunt machten wir uns auf den Weg Richtung Boxberg auf die rund anderthalb stündige Fahrt. Der Škoda Superb, von Sandra, auch passenderweise “Wohnzimmer” genannt, vollgepackt bis oben hin mit Mopedstiefeln, Lederkombis, Textilkombis, verschiedenen Helmen, Protektoren, Wechselklamotten etc.

Das was wir alles kreuz und quer in das Fahrzeug geschmissen hatten, war schon eine Menge und beeindruckend, dass die Türen sich noch ohne Probleme schließen ließen. Wohnzimmer? Wohl eher 2-Zimmer, Küche, Bad! In diesem Fall zwar eher ‘ne Messiewohnung aus ‘nem Frankfurter Plattenbau, aber das war eher unserem Ordnungssinn am frühen Morgen geschuldet.

Pünktlich wie die Maurer kamen wir mit einer Frühstücks- und Pipipause am Bosch Testgelände in Boxberg an. An der Zufahrt zur selbigem wurden wir bereits freundlich empfangen und uns wurden die Parkplätze direkt auf dem Gelände angeboten. Nach dem Parken gingen wir zunächst rein, um uns anzumelden. Kurzes Procedere, Namen abgehakt, einer Gruppe zugeteilt, mit kleinen farbigen Aufbappern für den Helm und dann haben wir noch die Begrüßungs-Tüte in die Hand gedrückt bekommen. Der Inhalt kurz für die, die es interessiert: verschiedene Broschüren der Modelle, ein Schlüsselband, ein Kugelschreiber, Aufkleber und ein echt schönes und passendes T-Shirt aus der aktuellen Triumph-Bekleidungskollektion. Anschließend wurden von uns noch Fotos gemacht, mit Namensschild und den Aufbappern auf dem Helm, damit man später die Fotos zuordnen kann. Hätten wir noch Fingerabdrücke abgeben müssen, hätte ich mich wie früher gefühlt bei meinem ersten Kontakt mit dem deutschen Rechtsstaat. Aber das ist wieder ein anderes Thema.

Für die Fotos vor Ort haben sich die Mädels und Jungs von Triumph auch nicht lumpen lassen und haben sich den Fotografen und Videografen Chris Rausch von Motorrausch ins Boot geholt. Dieser war uns bereits durch seine tolle Arbeit bei verschieden vorherigen Projekten bekannt gewesen und wir haben uns schon vor Beginn auf die Bilder gefreut.

Gleich geht's los

Es begann mit einer Vorstellung des Teams inkl. den Instruktoren des MOTORRAD Actionteams, gefolgt von einer Geschichtsstunde über die Marke Triumph. Hört sich langweiliger an als es war. Auch wenn das Bild eine andere Sprache spricht…

War wirklich interessant und auch gut vorgetragen. Gefolgt von einem kleinen Filmchen, waren wir dann auch recht zügig beim Briefing angelangt. Dann ging es auch schon raus zu den Maschinen, welche in allem Überfluss draußen aufgereiht waren. Alle ebenfalls markiert mit kleinen bunten Aufbappbern auf den Nummernschildern, passend zu denen auf den Helmen der Teilnehmer, damit wir wussten welches Bike zu welcher Gruppe gehört.

Streeties außer Rand und Band

Zum Glück musste ich nicht länger auf dem Stuhl ausharren. Der erste Teil mit der Ausfahrt war nämlich damit beendet und wir kamen zum zweiten Teil. Dieser fand nun auf dem Testgelände selbst statt. Zur Auswahl standen dieses Mal verschiedene Tiger Modelle sowie auch Speed- und Street- Triples.

Um ein Gefühl für die Bikes zu bekommen, ging es auf eine große Freifläche auf dem Gelände. Dort wurden verschiedene Passagen mit Pylonen abgesteckt. Enger Slalom Parcours, gefolgt von einer großen schnellen Linkskurve. Daraufhin folgte ein weiterer Slalom Parcours. Dieser war jedoch mit größerem Abstand gesteckt, dass man die Maschinen auch schneller von links nach rechts und wieder zurück schmeißen konnte.

Wir wechselten ständig die Maschinen durch, sodass mir leider irgendwann der Überblick fehlte, welchen Bock ich eigentlich gerade fahre. Klar konnte ich zwischen Tiger und den Speed/Street-Triples unterscheiden. Aber ob das jetzt eine Tiger XR, eine XRx, oder eine XC war auf der ich saß? Die Tiger Sport hab ich als Triumph-Laie ganz gut an Ihrer Verkleidung erkennen können. Unter den Tiger Modellen ist sie eher so der Tourer. Ich muss ehrlich gestehen, dass es mir auch heute noch recht schwerfällt die Maschinen auf Anhieb zu differenzieren. Selbst bei den Speed und Street-Triple Modellen fiel es mir recht schwer. Wie gesagt, ich hatte die Marke Triumph vorher gar nicht auf dem Schirm. Bei den aktuellen Modellen konnte ich dann zwischen der Speed- und der Street-Triple einen optisch, eindeutigen Unterschiede ausmachen. Die Speed Triple hat hinten eine Ein-Arm-Schwinge und der zweiflütige Auspuff endet unterm Heck. Die Street-Triple atmet einseitig aus, und zwar rechts. Der Auspuff sitzt dort unterhalb, seitlich der Schwinge welche das Hinterrad beidseitig umschließt. Wenn es darum geht, die Modelle in S, R oder RS einzuteilen, bin ich jedoch auf die Bezeichnung auf der Tankverkleidung angewiesen gewesen und das bis heute. Soweit bin ich noch nicht mit den Modellen vertraut.


Um jetzt mal auf die Tiger Modelle genauer einzugehen. Grob gesagt gliedert sich die Tiger Familie in drei Kategorien auf – Die Explorer, die 800er und die Sport. Jede der drei Kategorien hat einen anderen Antrieb. Die Explorer besitzt einen 1.215 cm³ großen Motor, mit 139 PS (9.300 U/min) und 123NM (6.200 U/min). Die 800er ist, wie der Name schon sagt, mit 800 Kubik unterwegs. Schafft es jedoch auch auf 95 PS (9.250 U/min) und 79Nm (7.850 U/min). Die Tiger Sport geht den Mittelweg mit 1.050 cm³ und bringt es auf 126 PS (9.475U/min) sowie 106Nm (7.000U/min). Alle Motoren sind, Triumph typisch,  3 Zylinder Reihenmotoren.

Fahrtechnisch ist es schwer, über die Modelle etwas zu sagen. Die Adventure Bikes an sich haben so viele verschieden Fahrmodi und Einstellmöglichkeiten, dass ich denke, jeder sollte dort sein passendes Setup finden können, um sich auf den Bikes wohl zu fühlen. Die Zeit war leider nicht gegeben, sich jedes Bike auf sein eigenes Gewicht und seine eigenen Bedürfnisse einzustellen. Die Modelle waren, soweit ich das beurteilen kann, auf den Durchschnittsfahrer eingestellt. Zumindest waren die Tiger Modelle für meine gut 100 kg Körpergewicht, bestehend aus Muskeln und Samensträngen =), zu weich. Und im Endeffekt hatte ich gefühlt, dieselbe Sitzhöhe wie auf der Bonneville zuvor.

Nachdem wir uns auf dem abgestecktem Parcours ein wenig an die Modelle gewöhnen konnten, sind wir auf das Hochgeschwindigkeiten-Oval gefahren. Das war mal echt eine coole Erfahrung, mit Steilkurven einfach nur den Hahn aufzuziehen. Limitiert auf maximal zwei Runden, um die Reifen nicht zu überhitzen, sind wir durchs Oval geheizt. Nach zwei Runden, den Bock zum Abkühlen abgestellt und sofort auf einen andern Hobel umgestiegen. Vollgas und weg. – So muss dat. Und der Klang von den Street-Triples war einfach nur überragend. Wenn man den Hahn voll aufdreht, haben die ein richtig schön tiefes, aber deutlich hörbares Ansauggeräusch. War eine ganz interessante Erfahrung auf dem Oval, für mich jedoch auf Dauer etwas eintönig. Daher habe ich mich gefreut als wir auch diesen Abschnitt beendeten und zum letzten Abschnitt kamen.

Vorher jedoch gab es erst noch was zu essen. Das Catering hat uns alle satt bekommen und dann sind wir auf die Strecke gefahren. Schön viele Kurven, mal bergauf, mal bergab, mal größer, mal enger. Einfach super, um Stück für Stück mehr Vertrauen in die Motorräder aufzubauen und sich immer weiter in die Kurven zu legen. Selbst für die, die noch nie Knie schleifend gefahren sind. Die Reifen waren mittlerweile gut eingefahren und der Streckenbelag hätte besser nicht sein können. Wenn dann noch die Gruppe gut ist, mit der man fährt, sodass man sich nur auf sich und sein Bike konzentrieren kann – ein Traum.

Kein Gegenverkehr, kein Mist auf der Strecke. Und wie oft ist es bei mir schon vorgekommen, dass ich selbst auf einer Rennstrecke für die anderen Idioten mitdenken (und mit bremsen) musste, weil die sich einfach drauf verlassen haben, dass der Klügere nachgibt und es die Instruktoren einfach nicht interessiert hatte. All diese W*chser, welche meinen sich selbst und anderen was beweisen zu müssen und dadurch sich selbst und die andere unnötig in Gefahr bringen. So das nur mal so am Rande. Einfach mal nachdenken.
Das hatten wir an diesem Tag zum Glück nicht. Die Strecke war geil, die Teilnehmer top, die Instruktoren wussten, was sie machen und das ganze Team von Triumph einfach spitze.

Um jetzt mal auf die Bikes zurückzukommen: Die Street Triple hat einen 765 cm³ Reihen-Dreizylinder Motor und teilt sich auf in das S, R und RS Modell. Die S mit 113 PS bei 11.250 U/min und 73 Nm (9.100 U/min), die R mit 118 PS bei 12.000 U/min und 77 Nm (9.400 U/min), und die RS mit 123 PS (11.700 U/min) und 77 Nm (10.800 U/min).

Also minimale Unterschiede und für mich auch kaum feststellbar. Alle drei haben ein Trockengewicht von 166 kg und bis auf die S mit 810 mm Sitzhöhe haben die R und die RS beide eine Sitzhöhe von 825 mm. Die Sitzhöhe lässt sich ja eigentlich bei jedem Motorrad mit kleinem Budget durch leichte Umbaumaßnahmen verändern. Entweder höher oder niedriger, je nach Körpergröße. Dadurch verändert sich natürlich auch der Schwerpunkt und die Fahrphysik. Da sollte jeder sein Bike so einstellen und fahren, wie er oder sie sich am besten fühlt.

Die Speed-Triples haben größere Motoren. Zwar auch die in Reihe angeordneten drei Zylinder, aber der Hubraum beträgt bei den Speedys 1.050 Kubik. Sie gliedern sich in das S und R-Modell auf. Beide 140 PS bei 9.500 Umdrehungen und 112 NM bei 7,850 U/min. Sitzhöhe gleicht den Street-Triple R und RS Modellen mit 825 mm. Das Gewicht wächst jedoch auf 166 kg. Vom Design her sind die Speedy mit der Ein-Arm-Schwinge kaum zu toppen. Vom reinen Fahrgefühl und dem Ansauggeräusch würde ich mich jedoch für die Street Triple R oder RS entscheiden. Soll nicht heißen, dass die Speedys sich nicht gut fahren lassen, aber die Street Triples waren zumindest für die Strecke auf dem Testgelände in Boxberg mit vielen eng aufeinander folgenden Kurven die bessere Wahl. Ich bin extra teilweise einen Gang höher gefahren, um den Gashahn beim Rausbeschleunigen aus den Kurven weiter aufdrehen zu können. Dies hat mir zwar bestimmt etwas Performance genommen und wäre, falls wir auf Zeit gefahren wären, ein paar Sekunden Verlust gewesen. Aber was die Emotionen anging, war es ein deutlicher Gewinn. Und darauf kommt es doch wohl beim Motorradfahren an. Spaß und Emotionen!!

Auch so ein schöner Tag wie dieser geht mal zu Ende. Pünktlich zum Ende hat es angefangen zu Regnen. Perfektes Timing. Unsere Befürchtungen auf Grund des Wetterberichts waren zum Glück erst jetzt eingetreten. Das Orgateam der Triumph lud sämtliche Teilnehmer am Abend noch auf ein Essen ein. Ausser Sandra und mir gab es jedoch leider keine weiteren Teilnehmer. Es war Sonntag, die Leute waren erschöpft, mussten am nächsten Tag wieder Arbeiten und hatten noch ihre Heimreise vor sich.  Nachdem wir erfuhren dass wir die einzigen waren, welche daran Teilnahmen, überkam uns schon ein komisches Gefühl. Wir wollten uns schließlich nicht irgendwie aufzwängen oder so. Die Bedenken waren jedoch völlig unbegründet. So perfekt wie der Tag war, so endete er auch. Wir haben gelacht, super interessante Gespräche geführt und nebenbei noch sehr lecker gespeist.

Vielen lieben Dank nochmal an die Mädels und Jungs der Triumph Motorcycle Company Germany. Ihr habt einen verdammt guten Job gemacht!!!

P.S.: Wie am Anfang erwähnt, hatte ich ein paar Tage später nochmal die Chance die Bobber probe zu fahren. Der Chefmechaniker bot mir an, die Sitzeinstellung nochmal auf die größte Größe zu stellen um evtl auch bei meiner Größe gemütlich auf der Bobber Platz nehmen zu können. Fazit dazu: Die Bobbe hält das was sie verspricht. Fährt sich echt klasse und klingt schön. Die Sitzposition ist auch bei der größten Einstellung zu klein für mich. Vielleicht gibt es ja irgendwann eine Sitzbank Verlängerung, welche man zwischen Sitz und Rahmen schrauben kann, zu kaufen. Platz wäre definitiv da. Das habe ich mir angeschaut.

Hier geht es nochmal zu Teil 1 des Berichtes.

Photos: Motorrausch und Triumph Motorcycles

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