Werbung. In Kooperation mit probrake. Hebel und Leitung wurden mir kostenlos zur Verfügung gestellt. Bezahlt wurde für diesen Test nichts, und meine Meinung steht so drin, wie sie am Bike entstanden ist.
Meine R1 ist 27 Jahre alt, und ihre vorderen Bremsleitungen waren es auch. Original-Gummi aus dem letzten Jahrtausend, mit den Jahren weich geworden, und das merkst du am Hebel: Du ziehst, ein Teil der Kraft versickert im aufgehenden Schlauch, und der Druckpunkt kommt schwammig statt satt. Im Alltag fällt das kaum auf, aber bei einer RN01 will ich die Bremse spüren und nicht suchen.
Also zwei Teile von probrake ans Vorderrad: die Stahlflexleitung vorne und dazu das TECTOR Brems- und Kupplungshebel-Set in Blau. Verbaut, gefahren, und beim Papierkram wieder eine Menge gelernt. Was genau dabei rauskam, kommt hier.
Warum überhaupt Stahlflex an einem 27 Jahre alten Bike
Ganz ehrlich: Eine Stahlflexleitung macht aus einer müden Bremse keine neue Bremse. Beläge, Scheiben und Sattel bleiben, was sie sind. Was sie ändert, ist der Weg dahin. Der Edelstahlmantel verhindert, dass sich der Schlauch unter Druck aufbläht, und genau dieses Aufblähen ist bei alten Serienleitungen der Punkt, an dem dein Druckgefühl verloren geht.



Bei einem Bike, dessen Leitungen über ein Vierteljahrhundert auf dem Buckel haben, ist das kein Tuning-Gedöns, sondern ein realer Verschleißpunkt. Alte Gummileitungen werden porös, von innen wie von außen. Tauschen war hier ohnehin fällig, und wenn man schon tauscht, dann gleich gegen etwas, das den Druckpunkt zurückbringt.
Der Einbau: kein Hexenwerk, aber Friemelkram
Erst die Leitung, dann der Rest. Die Reihenfolge ist wichtig, denn Bremsflüssigkeit frisst Lack. Und du willst nicht mit einer offenen Bremse an einem frisch polierten Tank hantieren. Ein Trichter hat sich beim Befüllen bewährt. Und nimm frische Bremsflüssigkeit. Keine, die seit zwei Jahren offen im Regal steht. Alte Flüssigkeit zieht Feuchtigkeit und Feuchtigkeit im Bremssystem ist genau das, was du an einem Bremshebel nie fühlen willst.
Das Entlüften braucht Geduld. Luftblasen kommen nach, also lieber eine Runde mehr als eine zu wenig. Beim Kupplungshebel musste die Buchse aus dem alten Hebel raus und in den neuen umgepresst werden. Das steht auch so in der Anleitung, aber man muss es erst mal lesen. Der Ausbau der alten Hebelei war der friemeligste Teil der Aktion, mehr Fummelei als Kraft.




Gesamtzeit bei mir: rund zwei Stunden. In Ruhe, mit Kaffee. Nett gelöst: Die Montageanleitung kommt als handliche Karte, QR-Code drauf, einmal scannen und sie liegt auf dem Handy. Kein riesiges Faltblatt, das man zwischen ölige Finger nimmt. Die Schritte sind sauber und übersichtlich aufgebaut.
Der Fahreindruck
Ehrlich gesagt merke ich im Alltag die Hebel fast mehr als die Bremse. Sie fühlen sich deutlich angenehmer an. Warum genau ist schwerer zu sagen, als es klingt. Und ich mach dir hier nichts vor: Ich hab an mehreren Stellschrauben gleichzeitig gedreht. Neue Leitung statt 27 Jahre altem Gummi. Andere Hebelgeometrie mit feinerer Verstellung und die Bremsflüssigkeit war beim Entlüften sowieso neu. Wer dir bei so einem Umbau erzählt, dieser eine Effekt käme von genau diesem einen Teil, flunkert. Sauber trennen lässt sich das nicht.
Was sich sagen lässt: Der Kupplungszug ist derselbe, die Handkraft also auch. Geändert hat sich der Winkel, in dem die Hebel stehen. Und dass sie feiner justierbar sind. Die Hand trifft den Hebel entspannter, das Handgelenk knickt weniger ab, nach ein paar Kurven verkrampfst du spürbar weniger. Klingt nach Kleinigkeit, ist im Sattel aber genau der Unterschied, ob dir nach zwei Stunden der Unterarm zugeht oder nicht. Das hab ich schmerzhaft selbst getestet.
Und die Bremse: Alter Gummi dehnt sich unter Druck und genau dieses Weiten frisst deinen Druckpunkt. Er wird schwammig. Der Edelstahlmantel der Stahlflexleitung macht das nicht mit. Der Druckpunkt bleibt konstant. Ganz ehrlich: Frische Gummileitung gegen frische Stahlflex, da wäre der Unterschied kaum spürbar. Aber in meiner RN01 steckt ein 27 Jahre alter Serienschlauch und deshalb ist der Sprung so deutlich. Für mich fühlt sich das unterm Strich nach mehr Präzision an. Feinere Dosierung und mehr Kontrolle. Schlicht das, was passiert, wenn du überalterte Leitungen gegen stabile tauschst.
Fair dazugesagt: Der härteste Teil steht noch aus. Zäher Stadtverkehr, Stau, ständig Kupplung ziehen, da beweist sich Ergonomie erst richtig. Die ersten Touren waren schon gut, aber den Stop-and-go-Test fahre ich noch. Hält es da genauso, kommt ein Nachtrag.
Die Optik: Blau auf Blau, kein Zufall
Kleiner Nebenschauplatz. Blau war kein Griff ins Regal, sondern eine bewusste Entscheidung: An der Gabel sitzen bereits blau eloxierte Komponenten, und die TECTOR-Hebel greifen genau diesen Ton auf. Kein aufgesetzter Farbklecks, sondern ein Detail, das sich ins Bike einfügt, als wäre es immer da gewesen. Die Hebel sind sechsfach in der Griffweite verstellbar und in der Länge stufenlos. Dazu die Klappfunktion, falls es einen doch mal hinlegt. Für Hände, die nicht Standardmaß sind, ist das mehr wert als jede Optik.



Das ABE-Thema: der Teil, den kaum jemand liest
Jetzt der Punkt, an dem sich ehrliche Arbeit von nacherzähltem Datenblatt trennt. Beide Teile haben eine ABE, so weit die einfache Antwort. Die interessante Frage ist: Gilt die auch für meine RN01, und gilt sie auch für beide Teile gleichzeitig?
Ich hab da mal genauer nachgeschaut. Der Verwendungsbereich ist der Teil der ABE, der festlegt, für welche Fahrzeuge sie überhaupt gilt, und dein Bike wird dort über die Betriebserlaubnisnummer zugeordnet, die in deiner Zulassungsbescheinigung Teil 1 in Feld K steht.
Bei den Hebeln passt es exakt: Die ABE (KBA 91516) führt die YZF-R1 RN01 mit der Nummer H917 auf, und genau diese Nummer steht auch in meinem Schein. Eindeutige Zuordnung, keine Eintragung nötig.
Bei der Leitung war es kniffliger, und genau da zahlt sich Nachschauen aus. In der älteren Fassung des Verwendungsbereichs (Stand März 2024) war meine RN01 nicht gelistet, nur die neueren R1-Modelle. Erst im aktuellen Nachtrag zur ABE 61455 (GTÜ-Prüfbericht StVZO22-23016.01, Stand Januar 2025) steht sie drin: Yamaha YZF-R1, RN01, Baujahr 1999, mit derselben Betriebserlaubnisnummer H917. Merk dir das, es ist der wichtigste Satz in diesem Absatz: Es zählt die aktuelle Fassung der ABE. Wer nur eine alte Version danebenlegt, hält sein Bike womöglich für nicht abgedeckt, obwohl es längst drinsteht. Die passende Seite kam auf Nachfrage direkt von probrake.
Zur Kombination beider Teile hab ich direkt bei probrake nachgefragt. Deren Einschätzung: Hebel und Leitung sind technisch nicht direkt verbunden, dazwischen sitzen weiter Originalteile, und die beiden ABEs sind unabhängig voneinander zu betrachten. Eine Einschränkung stünde, wenn es sie gäbe, ausdrücklich im Verwendungsbereich der jeweiligen ABE. Das ist die Herstellersicht, keine amtliche Garantie. Und genau so gebe ich sie weiter: Wer auf Nummer sicher gehen will, lässt sich die Kombination bei der Zulassung bestätigen.
Praktisch fürs Handschuhfach: Die ABE musst du mitführen und zwar auf Papier. Der Gesetzgeber ist da noch nicht im digitalen Zeitalter angekommen. Das PDF am Handy ist bei einer Kontrolle offiziell kein Ersatz. Und weil dein Fahrzeug nur über den Verwendungsbereich zugeordnet wird, gehört die Seite mit deinem Bike (bei mir mit der RN01) mit dazu, plus das Deckblatt der ABE. Viele scannen sich genau diese zwei Seiten ein und führen sie digital mit. Das ist ein Graubereich, den man bei einer Kontrolle meist freundlich mit den Beamten klären kann, aber verlassen würde ich mich nicht drauf. Auf der sicheren Seite bist du mit dem ABE-Heft im Original. Such deine Zeile raus, markier sie, dann sieht der, der dich prüft in zehn Sekunden, dass hier jemand mitgedacht hat.
Wie tief das ABE-Thema wirklich geht, welche Fallen im Kleingedruckten stecken und wie du es bei jedem Anbauteil richtig machst, kommt in einem eigenen Beitrag. Das sprengt hier den Rahmen, und es verdient mehr als einen Absatz.
Schwächen und Stolpersteine
Der Verwendungsbereich der Leitungs-ABE ist knapp zweihundert Seiten stark, und die Seite mit dem eigenen Fahrzeug sucht man sich selbst raus. Das ist keine Schikane von probrake, sondern die Rechtslage: Die ABE gehört zum Teil. Die Prüfung, ob sie fürs eigene Bike gilt, gehört zu dir. Holschuld, nicht Bringschuld.
Der eigentliche Stolperstein liegt woanders: In der älteren Fassung des Verwendungsbereichs fehlte meine RN01 noch, erst der aktuelle Nachtrag führt sie auf. Wer die falsche Version erwischt, hält sein Bike fälschlich für nicht abgedeckt und gibt vielleicht auf, obwohl längst alles geregelt ist. Ein fester Verweis auf die jeweils aktuelle Fassung des Gutachtens, etwa direkt auf der QR-Karte, würde diese Falle entschärfen. Auf Nachfrage kam die richtige Seite von probrake übrigens noch am selben Tag.
Zweiter Punkt: der Buchsen-Umbau am Kupplungshebel und das Entlüften. Für geübte Schrauber kein Hindernis, aber wer zum ersten Mal an der Bremse arbeitet, legt sich Anleitung und Werkstatthandbuch nebeneinander und nimmt sich Zeit.
Für wen, und für wen nicht
Für dich, wenn dein Bike ältere Serienleitungen hat, du selbst schraubst und einen definierten Druckpunkt einem weichen vorziehst. Auch, wenn dir Griffweite und Hebellänge am Standard-Hebel nie gepasst haben.
Nicht für dich, wenn du glaubst, eine Stahlflexleitung repariert eine schlechte Bremse. Tut sie nicht. Und nicht für dich, wenn du weder mitführen noch dokumentieren willst, denn ohne die Papiere im Handschuhfach nützt dir die beste ABE nichts.
Technische Daten und Preise
- Fahrzeug: Yamaha YZF-R1, Typ RN01, Baujahr 1999
- Stahlflexleitung vorne: probrake, mit ABE (KBA 61455), rund 80 Euro
- Hebel-Set: probrake TECTOR, Brems- und Kupplungshebel, blau, 6-fach verstellbar, mit ABE (KBA 91516), rund 170 Euro
- Einbauzeit: ca. 2 Stunden
- Eintragung: nicht nötig, ABE plus die passende Verwendungsbereich-Seite mitführen
Stärken und Schwächen
+ Stärken: konstanter Druckpunkt statt gealtertem Gummi; fein justierbare Hebel mit spürbar besserer Ergonomie; Montageanleitung als QR-Karte, übersichtlich; ABE für beide Teile, keine Eintragung nötig; schnelle Rückmeldung des Herstellers
− Schwächen: Verwendungsbereich muss selbst durchsucht werden; Versionsfalle bei älteren ABE-Fassungen; Buchsen-Umbau am Kupplungshebel nicht selbsterklärend



Fazit
Kein Wundermittel, aber genau das, was ich an einer alten R1 wollte: ein Druckpunkt, den ich wieder fühle statt suche. Und Hebel, die zu meiner Hand passen und deren Blau ich mir genau wegen der eloxierten Teile an der Gabel ausgesucht hab. Der Einbau ist machbar, die Anleitung auf der QR-Karte ist übersichtlich gelöst, und der einzige echte Zeitfresser war der Papierkram, nicht die Technik.
Wenn deine Leitungen auch schon älter sind als mancher Führerschein in der Truppe: Es lohnt sich. Nur die ABE-Seite, die druckst du bitte aus, bevor du losfährst.
Hebel und Leitung wurden von probrake gestellt. Der Test, der Einbau und die Meinung sind meine.



